Franziskusschwestern feiern ihr 100-jähriges Ordensjubiläum

Schwester Judith Schmidt: „Wir gehen fröhlich auf unser Ziel zu.“ Die Schwestern packen überall an, wo Familienpflege nötig ist. Am Sonntag wird mit Gottesdienst, Sektempfang, Pommes und Currywurst gefeiert

Die Gemeinschaft ist klein geworden, hat aber ihr Erbe gut bestellt

Gefeiert wird in den Räumen des 2013 neu erbauten Klosters

Der Familienpflege sind die Schwestern bis heute treu geblieben

Die Quintinusstiftung führt die Förderung von Familien, Jugendlichen und Senioren weiter

Wenn man nach dem Durchschnittsalter der 19 verbliebenen Franziskusschwestern der Familienpflege im Bistum Essen fragt, wird Schwester Judith Schmidt noch resoluter, als sie ohnehin schon ist. „Wir sind alle unter 100“, sagt die Generaloberin der klein gewordenen Essener Gemeinschaft in Essen-Bedingrade und spielt damit auf das Jubiläum an, das ihre Gemeinschaft am kommenden Sonntag begeht. „Das 100-jährige können wir jetzt nur deshalb feiern, weil alle Mitschwestern ein Leben lang ihren Dienst getan haben“, stellt die 71-jährige fest, und: „Wir gehen fröhlich auf unser Ziel zu, haben immer getan, was nötig war. Da gibt’s jetzt nix zu jammern.“

Weil sie sich rechtzeitig und vorausschauend um die Verpflichtungen und Bedürfnisse der kleiner werdenden Gemeinschaft gekümmert haben, sehen die Schwestern am Sonntag in der Tat keinen Grund zum Jammern und Trauern, sondern feiern ein großes Jubiläumsfest mit Familie, Freunden und einigen Ehrengästen, mit Gottesdienst, Sektempfang, einem launigen Programm und dem unangefochtenen Lieblingsgericht der Schwestern, Currywurst mit Pommes.

Das alte, hinfällige Mutterhaus wartet auf eine Entscheidung der Stadt

Gefeiert wird in den Räumen des 2013 neu erbauten Klosters. „Wenn wir noch etwas für uns bewegen wollten, kamen wir um diesen Neubau nicht herum“, ist Schwester Judith überzeugt und weist durch das Fenster auf das betagte Mutterhaus am vorderen Ende des Grundstücks, das viel zu groß, hinfällig und unbewohnt auf eine Entscheidung der Stadt wartet. Einen Investor gäbe es schon.

Im neuen Haus mit seinen 30 komfortablen Zimmern geht es dagegen sehr lebendig zu. Bereits seit 20 Jahren leben indische Karmelitinnen bei den Franziskusschwestern. Man wohnt und betet zusammen, genießt gemeinsam scharfes indisches Essen. Priester aus Indien, die im Ruhrgebiet ihre pastorale Ausbildung erhalten, leben jeweils ein Vierteljahr mit im Kloster und müssen hier – anders als sie es von zu Hause gewohnt sind – wie alle anderen den Mittagstisch abräumen. Einmal jährlich verbringen Klarissen, die daheim in Klausur leben und nie vor die Tür gehen, bei den Franziskusschwestern ihren „Kreativ-Urlaub“. Der Altenpflege-Nachwuchs wohnt während der Ausbildung hier, und auch jungen Frauen in ihrer Findungsphase stehen die Türen offen.

Sagen Sie jetzt nichts! Das Interview ohne Worte:

Die Schwestern tun heute noch, was sonst niemand tun würde

Einige wenige Franziskusschwestern, sieben insgesamt, sind an zwei alten Standorten in Paderborn und Schleiden in der Eifel geblieben, auch wenn die ordenseigenen Altenheime am Standort längst in andere Hände übergeben wurden. Die Schwestern erledigen dort ehrenamtliche Aufgaben, die sonst keiner tun würde, „und sind mit Dynamit dort nicht weg zu sprengen“, sagt Schwester Judith. Wenn sie denn doch einmal ins Mutterhaus zurückkehren wollten, stände für jede ein Zimmer im Neubau bereit.

Dort tätig werden, wo Hilfe fehlt, und Neues beginnen, wenn die Dinge anderweitig geregelt werden – so sind die Schwestern Jahrzehnte lang gut verfahren. Formiert hatte sich die Kongregation bischöflichen Rechts der Franziskusschwestern der Familienpflege nach dem ersten Weltkrieg, als der Franziskanerpater Quintinus Wirtz junge Frauen in Essen dazu aufrief, in Familien auszuhelfen, in denen die Mutter ausgefallen war. Dass die Franziskusschwestern als kleine, regionale Gemeinschaft zwischen den großen, alten Orden „ein bisschen anders ticken“, und dass sie unspektakulär anpacken, wo es nötig ist, hatte Schwester Judith damals als junge Leistungssportlerin auf der Suche nach einem sozialen Beruf so mitgerissen, dass sie dazu gehören wollte. Denn Familienpflege war in ihren Augen ein äußerst spannender, vielseitiger Beruf: Haushalt, Kinder, Psychologie, Pädagogik, Alten- und Krankenpflege, auch die Auseinandersetzung mit dramatischen Familienproblemen wie Alkoholismus und Prostitution – „und ich habe eigens Mengenlehre gelernt, um den Kindern bei den Mathe-Hausaufgaben helfen zu können“.

Die Quintinusstiftung führt die Förderung der Familienpflege weiter

Dem Thema Familienpflege sind die Schwestern bis zum heutigen Tag treu geblieben. Nachdem sie in den vergangenen Jahrzehnten Stück für Stück die großen Institutionen aus der Glanzzeit der Gemeinschaft – Krankenhäuser, Altenpflegeheime, Pflegeschulen – in andere Hände gegeben haben, gründeten sie mit dem Erlös die Quintinusstiftung, die das Bestehen der Gemeinschaft lange wird überdauern können. Die Stiftung gibt unbürokratische Einzelfallhilfe, wenn arme Familien die Ferienfreizeit für ihre Kinder nicht bezahlen können, Senioren eine Waschmaschine brauchen oder Jugendliche ohne Unterstützung in eine Ausbildung starten oder auch nur mit zum Weltjugendtag fahren möchten, um dort Gemeinschaft zu erleben. Für Schwester Judith ist die Quintinus-Stiftung die sinnvollste Fortführung der Kernaufgabe Familienpflege: „Es kommt nicht darauf an, wie viele wir sind, sondern wie gut wir sind.“

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